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BUCH DES UNMUTHS.





|88| Wenn du auf dem Guten ruhst,
Nimmer werd’ ich’s tadeln,
Wenn du gar das Gute thust,
Sieh das soll dich adeln;
Hast du aber deinen Zaun
Um dein Gut gezogen,
Leb ich frey und lebe traun
Keineswegs betrogen.

Denn die Menschen sie sind gut,
Würden besser bleiben,
Sollte nicht wie’s einer thut
Auch der Andre treiben.
Auf dem Weg da ists ein Wort,
Niemand wird’s verdammen:
Wollen wir an Einen Ort,
Nun! wir gehn zusammen.

|89| Vieles wird sich da und hie
Uns entgegen stellen.
In der Liebe mag man nie
Helfer und Gesellen,
Geld und Ehre hätte man
Gern allein zur Spende
Und der Wein, der treue Mann,
Der entzweyt am Ende.

Hat doch über solches Zeug
Hafis auch gesprochen,
Ueber manchen dummen Streich
Sich den Kopf zerbrochen,
Und ich seh nicht was es frommt
Aus der Welt zu laufen,
Magst du, wenn das Schlimmste kommt,
Aus einmal dich raufen.


Entstehung: vor dem 26.07.1814
Originalpaginierung: 88–89
Johann Wolfgang von Goethe
West–oestlicher Divan
Stuttgart 1819


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