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DAS SCHENKENBUCH.





|183| Ja, in der Schenke hab’ ich auch gesessen,
Mir ward wie andern zugemessen,
Sie schwatzten, schrieen, händelten von heut,
So froh und traurig wie’s der Tag gebeut;
Ich aber saß, im Innersten erfreut,
An meine Liebste dacht’ ich — wie sie liebt?
Das weiß ich nicht; was aber mich bedrängt!
Ich liebe sie wie es ein Busen giebt
Der treu sich Einer gab und knechtisch hängt.
Wo war das Pergament, der Griffel wo?
Die alles faßten! — doch so wars! ja so!


|184| Sitz’ ich allein,
Wo kann ich besser seyn?
Meinen Wein
Trink’ ich allein,
Niemand setzt mir Schranken,
Ich hab’ so meine eigne Gedanken.



So weit bracht’ es Muley, der Dieb,
Daß er trunken schöne Lettern schrieb.


Entstehung: vor dem 27.09.1815
Originalpaginierung: 183–184
Johann Wolfgang von Goethe
West–oestlicher Divan
Stuttgart 1819


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