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DAS SCHENKENBUCH.





Schenke.

|193| Welch ein Zustand! Herr, so späte
Schleichst du heut aus deiner Kammer;
Perser nennen’s Bidamag buden,
Deutsche sagen Katzenjammer.

Dichter.

Laß mich jetzt, geliebter Knabe,
Mir will nicht die Welt gefallen,
Nicht der Schein, der Duft der Rose,
Nicht der Sang der Nachtigallen.


Schenke.

Eben das will ich behandeln,
Und ich denk’, es soll mir klecken,
Hier! genieß die frischen Mandeln
Und der Wein wird wieder schmecken.

|194| Dann will ich auf der Terrasse
Dich mit frischen Lüften tränken,
Wie ich dich in’s Auge fasse
Giebst du einen Kuß dem Schenken.

Schau! die Welt ist keine Höhle,
Immer reich an Brut und Nestern,
Rosenduft und Rosenöle!
Bulbul auch, sie singt wie gestern.

Entstehung: wohl Oktober 1814
Originalpaginierung: 193–194
Johann Wolfgang von Goethe
West–oestlicher Divan
Stuttgart 1819


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