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BUCH DES TIMUR.





Der Winter und Timur.


|115| So umgab sie nun der Winter
Mit gewalt’gem Grimme. Streuend
Seinen Eishauch zwischen alle,
Hetzt er die verschiednen Winde
Widerwärtig auf sie ein.
Ueber sie gab er Gewaltkraft
Seinen frostgespitzten Stürmen,
Stieg in Timurs Rath hernieder,
Schrie ihn drohend an und sprach so:
Leise, langsam, Unglücksel’ger!
Wandle du Tyrann des Unrechts;
Sollen länger noch die Herzen
Sengen, brennen deinen Flammen?
Bist du der verdammten Geister
Einer, wohl! ich bin der andre.
|116| Du bist Greis, ich auch, erstarren
Machen wir so Land als Menschen.
Mars! Du bist’s! Ich bin Saturnus,
Uebelthätige Gestirne,
Im Verein die Schrecklichsten.
Tödest du die Seele, kältest
Du den Luftkreis; meine Lüfte
Sind noch kälter als du seyn kannst.
Quälen deine wilden Heere
Gläubige mit tausend Martern;
Wohl, in meinen Tagen soll sich,
Geb es Gott! was schlimmres finden.
Und bey Gott! Dir schenk’ ich nichts
Hör’ es Gott was ich dir biete!
Ja bey Gott! von Todeskälte
Nicht, o Greis, vertheid’gen soll dich
Breite Kohlenglut vom Heerde,
Keine Flamme des Decembers.

Entstehung: 11.–13.12.1816
Originalpaginierung: 115–116
Johann Wolfgang von Goethe
West–oestlicher Divan
Stuttgart 1819


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