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DAS SCHENKENBUCH.





|192| Sie haben wegen der Trunkenheit
Vielfältig uns verklagt,
Und haben von der Trunkenheit
Lange nicht genug gesagt.
Gewöhnlich die Betrunkenheit
Verschwindet so wie es tagt;
Doch hat mich meine Betrunkenheit
In der Nacht umher gejagt.
Es ist die Liebestrunkenheit
Die mich erbärmlich plagt,
Von Tag zu Nacht, von Nacht zu Tag
In meinem Herzen zagt.
Dem Herzen das in Trunkenheit
Der Lieder schwillt und ragt,
Daß keine nüchterne Trunkenheit
Sich gleich zu heben wagt.
Lieb’, Lied und Weines Trunkenheit,
Ob’s nachtet oder tagt,
Die göttlichste Betrunkenheit
Die mich entzückt und plagt.

Entstehung: 29.09.1815
Originalpaginierung: 192
Johann Wolfgang von Goethe
West–oestlicher Divan
Stuttgart 1819


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